Mittwoch, 20. März 2013

Wie viele Schallplatten sind viele Schallplatten?




Hier eine Einteilung aufgrund persönlicher Erfahrungen ...

(1) 20000 Stück und mehr: Solide Sammlung eines ernst zu nehmenden Sammlers. 20000 passen gut in ein schön großes Zimmer, wobei ein eigens beauftragter Schreiner alle Wände bis in die Winkel mit Regalen gefüllt hat und ausserdem ein Teil der Sammlung auf dem Boden steht. Merke: Egal wie viele Regale ein Sammler hat: Ein Teil der Sammlung steht IMMER auf dem Boden und die Regale sind IMMER voll. In den Ecken steht stets genug Material für Entdeckungen oder Neuentdeckungen, da die Masse in sich vergessene Winkel generiert. Die Sammlung ist gewaltig genug um grundsätzliche Sortieraktionen zur Lebensaufgabe zu machen.

(2) 10000 Stück: Bescheidene Sammlung eines Musikliebhabers, der immer wieder versucht, ungeliebte Schalllatten auszusortieren und sich auf das Wesentliche zu beschränken. Bei 10000 Stück ist dies noch möglich, wenn auch zeitintensiv. Wer nur 10000 Platten hat will die Kontrolle behalten. 10000 Stück passen auch in ein etwas kleineres Zimmer, das der Partner in der gemeinsamen Wohnung opfert. Oft hat der Partner aber ein Einsehen und zieht aus.

(3) 5000 Stück: Anfängersammlung eines engagierten Musikliebhabers, der langsam beginnt über Standards hinaus zu kommen. 5000 Stück passen an eine größere Wand und sind leicht überschaubar. Keinem erstzunehmenden Sammler wird es gelingen seine Sammlung auf 5000 Stück zu stutzen - der Versuch allein führt zu bösen Träumen. Wer hingegen auf dem richtigen Weg ist wird diese 5000 Stück als Zwischenlösung nach 5-10 Jahren Sammeltätigkeit akzeptieren können. 

(4) 1000 Stück: Kleinstsammlung für Angeber

(5) 250 Stück: Ein Haufen Platten zum Kuscheln

Donnerstag, 7. Februar 2013

Neu: Krautrock

Heute neu: Ohren Pilze Kraut und Rüben,
dazu ein paar nette Latin und Jazz LPs.

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Dienstag, 5. Februar 2013

Neu: Klassik

Heute neu: ein paar Klassikplatten.

Eigentlich nichts besonderes, aber dennoch schön. Diese tschechischen Schallplatten auf dem Supraphon Label haben wunderbare gestaltete laminierte Cover und klingen oft prima. So weit ich das beurteilen kann gibt es kaum Sammler für diese Platten - zu Unrecht, wie ich finde.

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Dienstag, 15. Januar 2013

Hausverbot!




Hausverbot!


"Du gehst und kommst nicht wieder! – das ist kein Diskussionsangebot! –raus jetzt!“  ein Satz wie eine Ohrfeige, der genau das sagt was er meint: Du hast Hausverbot, kein Spaß, ganz echt, und Du bist das Opfer. Opfer zu sein ist in Berlin das schlimmste was passieren kann, und Opfer genannt zu werden eine Beleidigung nach der Blut fließt. Um dies zu vermeiden möchte ich helfen zu verstehen wie es dazu kommen konnte das ausgerechnet Du rausgeflogen bist.

Ein bestimmter Laden in Berlin ist berühmt für seine Rauswürfe. Wer sucht, findet ihn, in der Kastanienallee, und wer mutig war ging dort hin um zu erleben wovon erzählt wird. Ich habe einige der Opfer gefragt: Ja, sie flogen raus noch bevor sie eine Platte berührt haben. Manchmal dauerte der Besuch nur 5 Sekunden. Und alle waren harte Digger – kranke Sammler die sich im Plattenladen sicherer bewegen als in der eigenen Küche oder in ihrer Stammkneipe, wenn sie denn eine haben und Geld für andere Dinge als Vinyl ausgeben. Mich interessierte ob dieser Laden der einzige ist der Kunden rauswirft. Deshalb habe ich relativ systematisch andere Händler nach ihrer Türpolitik befragt.

Das Ergebnis ist eindeutig. Alle werfen Kunden raus. Und immer sind es die harten Digger, die gehen müssen. Einige Händler sind geduldiger als andere, aber keiner erträgt sie in jedem Fall. Einer der seit bald 20 Jahren im Geschäft ist, und von dem ich glaubte, er sei unglaublich geduldig, erklärte es so: Ein Plattenladen ist eine Art Club. Und in einen Club darf auch nicht jeder rein. Ein Händler ist also eine Art Clubbesitzer – und Türsteher zugleich.

Wer nun glaubt, ein Plattenladen sei ein elitärer Ort liegt falsch. Natürlich sind viele Plattenläden unerträglich fiese Löcher in denen griesgrämige Grottenolme hinter den immer selben nicht verrotten wollenden schlechten Rock-Platten sitzen, die ihnen die Nachbarschaft gebracht hat. Wer in diese Läden geht ist selber schuld. Ich meine Läden die den Eindruck machen sie könnten ihre Kunden mögen. Läden, deren Sortiment einigermaßen gepflegt wirkt, die eventuell gezielt Neuware anbieten, die Plattenspieler zum reinhören haben und deren Verkäufer den Kopf heben wenn ein Kunde den Laden betritt. Und tatsächlich – sie mögen Kunden.

Je unsicherer und fremder ein Kunde in diesen Läden wirkt, desto willkommener ist er. Dem neugierigen Kunden stehen die Türen der Plattenläden weit offen – sie halten das Geschäft am leben.

Schwieriger sind Kunden, die nur in Läden gehen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen – und schon wissen dass auch der Plattenladen ihnen bei ihren Problemen nicht helfen kann. Sie wirken wie gezielt gestrandet – bereit, alles auszukotzen was die Welt außerhalb des Vinylkosmos ihnen zumutet. Wenn sie an einer Kiste stehen und die Finger bewegen scheinen sie am Ziel – allerdings nicht um sich inspirieren zu lassen, sondern um sich zu beschweren, idealer Weise beim Händler, der nicht die Platte hat, die ihren Unmut besänftigen kann – und wenn, dann zu Preisen, für die man sie mit Glück auch im Internet schießen kann – viel zu teuer also. Ich kenne diesen Blick, die Bewegung der Finger, die harten Griffe an der Plattenkiste, die Gleichgültigkeit mit der sie Raritäten die sie schon haben oder nicht wollen verwerfen - und den Zorn auf ihrer Stirn der mit diesen Bewegungen wächst ohne Worte zu finden. Diese Kunden nicken ohne aufzusehen, treten an die Kisten, werden zornig, nicken nicht wenn sie gehen – und kommen wieder.

Ein Plattenladen ist elitär, wenn er seine vermeintlich besten Kunden rauswirft – nämlich die, die getrieben durch die Stadt irren - auf der Suche nach den Schallplatten, die ihnen Händler nicht bieten können. Händler erkennen diese Digger sofort, nach wenigen Sekunden. Einige sind geduldig – andere sind weniger geduldig. Alle warten darauf dass der Digger geht.

Eventuell bist Du also rausgeflogen weil Du so tun wolltest als ob Du Dich auskennst - zum Beispiel um im Laden dazu zu gehören, der Freundin zu imponieren, Sachverstand zu beweisen oder auch mal harter Digger zu sein – warum auch immer. Genau das könnte das Problem gewesen sein. Unabhängig davon ob Du dich auskennst oder nicht sind dies die Gesten, die beim Händler die Alarmglocken läuten lassen. Wenn Du Dich zu unbeholfen bemühst Kennerschaft oder souveränen Umgang mit Vinyl zu beweisen ist das kein Problem, denn Posen gehört zum Geschäft und ist in harmloser Form stets willkommen. Der harte Digger zeigt diese Gesten hingegen als professioneller Aggressor – und ihn zu imitieren ist niemals gut.

Du bist echter Digger? Dann kämpfe hart aber fair. Als Händler ausreichend gute Geschäfte zu machen ist nicht leicht. Schwieriger hingegen ist es, Digger zu ertragen. Wenn Du also ans Eingemachte willst, dann Respektiere das Geschäft, zeige Würde, so übel der Laden auch scheint, und kotze nicht in die Kisten. Jeder Händler war mal Digger – und jeder Händler hat Kisten die nicht jeder zu sehen bekommt. Ach wenn ein Händler nicht mehr sammelt – eine Art Beschützerinstinkt für gute Schallplatten ist ihm geblieben. Gesuchte seltene Schallplatten sind – nun ja – selten! Viele verschwinden bereits, bevor sie überhaupt in der versteckten Kiste landen. Manchmal ist der ganze Laden nur Tarnung – für genau die Kisten, in die Du schauen möchtest.

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Freitag, 14. Dezember 2012

Neu!


Frisch aus der Lüneburger Heide: Reggae. 800 Stück.
Ab Januar.

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Samstag, 14. Juli 2012

Wieviel kostet eigentlich meine Elvis Presley Schallplatte?


Wieviel kostet eigentlich meine Elvis Presley Schallplatte?

Hier das Eröffnungsgebot: Ein grimmiger, offensichtlich unruhiger Herr mittleren Alters hält vor dem Laden, winkt noch in der Tür den Inhaber zum Kofferraum, zeigt auf eine Kiste Schallplatten und sagt, so hart er nur eben kann: „Fünf!“ Der Händler sieht sich die Schallplatten an und wirft ab und an einen unruhigen Blick zurück – er verlässt den Laden nicht gerne.  „Und jetzt?“ fragt der Händler etwas erstaunt – „Fünf!“ wiederholt er. „Was meinen Sie mit Fünf?“ – Na Fünf eben, 5000 Euro, alles Elvis, alles Originale! Der Typ bleibt hart und der Händler erkennt den Ernst der Lage. Er hat wieder eine Geschichte, die er seinen Kollegen erzählen kann.

„Was glauben Sie denn was die Schallplatten wert sind?“ – Fragt der Typ mit der Kiste. Der Plattenhändler könnte die gleiche Frage stellen – aber er weiß was passieren würde und schweigt – winkt ab - beschwichtigt: Danke, er hat genug, sicher freut sich ein Kollege, aber hier kommen keine Elvis Kunden vorbei, und außerdem kennt er sich nicht aus mit Elvis Schallplatten, das ist etwas für Spezialisten, schließlich sollen die Platten in gute Hände kommen ... die üblichen Strategien um die Situation zu entschärfen.

Vielleicht sind auch Sie grade mit Elvis im Kofferraum auf dem Weg zum Plattenladen. Vielleicht spielen Sie mit dem Gedanken, den Plattenhändler erst anzurufen, damit er genug Bargeld hat, wenn Sie vorbeikommen – schließlich soll Elvis den nächsten Urlaub finanzieren, oder wenigstens ein wirklich schickes Essen am letzten Abend. Du hast Zweifel? Also gut, ich bin mutig und flüstere Dir etwas ins Ohr, was der Händler Dir nicht sagen wollte: Deine Elvis Schallplatten sind wertlos!

Das kann gar nicht sein, wirst Du sagen, denn: Die Schallplatte ist doch von Elvis, und jeder weiß, dass Elvis Platten teuer und gesucht sind, mein Kumpel um die Ecke hat das auch gesagt, im Netzt habe ich geschaut, da wird die eine hoch gehandelt. „Einer wollte 400 Euro habe, ungelogen, hier, ich zeig es Dir! Du hast sie noch gar nicht gesehen, schau sie Dir doch erst mal an, sicher mag es billige Elvis-Schallplatten geben, aber nicht diese hier, hier die Bestellnummer, die gab es nur in einem ganz kleinen Laden in Bottrop und sonst nirgendwo und musste extra aus Amerika bestellt werden und diese hier hat der Großvater in Amerika gekauft und seit 50 Jahren ist sie nicht mehr zu haben, und überhaupt willst Du nur den Preis drücken“ – sagst Du. Und ich bleibe dabei: Deine Elvis Platten sind wertlos.

An dieser Stelle möchte ich Dir einen Sammler vorstellen. Der Einfachheit halber möchte ich in Elvis nennen. Elvis kennt sich aus mit Elvis. Und zwar so richtig gut! Er sammelt von jeder Platte jede Pressung und kennt die kleinsten Details, außerdem mag er Musikkassetten, Poster, Plastikfiguren, Filme, Bücher – alles eben, wo Elvis draufsteht. Seit Jahren kommt er und sucht in meinen Kisten nach Elvis. Da sind auch wirklich Elvis Platten drin – aber die überblättert er und rümpft die Nase: „Hab ich schon“ murmelt er beiläufig – und will nichts hören von mir. Er weiß schon was er sucht. Ein Händler ist ihm keine Hilfe dabei. Einmal zeigte er mir einen kleinen Stempel auf der Rückseite einer Schallplatte – diesen Stempel hatte er noch nicht. Er handelte mich von 2 Euro auf 1,50 runter und beide waren wir glücklich. Elvis ist wie alle Elvis Sammler ziemlich schräg drauf – denn als End-50er sein Leben einem Teenie-Idol zu widmen erfordert eine sonderbare Mischung aus Disziplin und Wahnsinn. Zeit zu Arbeiten hat er ebenso wenig wie Geld, um teure Platte zu bezahlen.

Können nicht auch gewöhnliche Menschen Elvis mögen? Junge Leute, die dem Kult ganz neu verfallen sind und eine echte alte Schallplatte von ihm brauchen? Wer sucht, wird sehr schnell bemerken, dass das Angebot unüberschaubar groß ist. Je länger man sucht desto klarer zeichnet sich ein Bild ab: Schallplatten von Elvis gibt es wie Sand am Meer. Einige Händler verweisen auf die Kiste mit Sonderangeboten, mal ist es die 5 Euro Kiste, mal die 2 Euro Kiste – einige haben sonderbarerweise überhaupt keine Elvis Platten im Sortiment. Einige haben ein Fach, das nicht sehr gepflegt wirkt: Die Schallplatten scheinen schon Jahre hier zu stehen, obgleich die Preise moderat sind. Der Kult um Elvis scheint keinen Einfluss auf den Preis seiner Schallplatten zu haben. Wie kommt das nur? Die Antwort ist sehr einfach: Es gibt mehr Elvis Schallplatten als der Markt verkraftet. Sehr viel mehr! Ungeheuer viel mehr! Elvis war ein Superstar, und er hat Millionen und Abermillionen Schallplatten verkauft, so viele, wie kaum ein anderer Mensch. Und nicht nur Elvis hat viele Schallplatten verkauft. Auch die Beatles, die Rolling Stones, die Sex Pistols, Abba, Modern Talking und allerlei andere globale Superstars haben über ihre Plattenfirmen so viele Schallplatten in den Markt gedrückt, wie der nur irgendwie verkraften konnten. Über Superstars verdienen die Plattenfirmen am meisten Geld. Hier ziehen ihr Vertriebskonzept und ihre Marketingstrategie perfekt. Das Verkaufspotential ihrer Stars pressen sie aus – bis zur letzten Scheibe.

Dazu kommt ein weiterer Faktor, der den Wert vieler Schallplatten von Stars in den Keller drängt: Stars werden nicht immer berühmter. Zum Image eines Stars gehört der dauerhafte kometenhafte Aufstieg. Dieser Aufstieg ist allerdings eher eine Geste, so wie der in die Höhe gereckte Arm auf der Bühne. Und der Star auf der Bühne wird auch dann noch seinen Arm in die Höhe strecken wenn seine Anhänger altern oder abspringen oder kein Geld mehr für seine Schallplatten ausgeben, zumindest nicht auf Vinyl. Vielleicht sagen Sie nur: „Hey, selbst der letzte Dinosaurier der Rockgeschichte füllt noch Fußballstadien!“ – Das stimmt. Aber der Arm auf der Bühne und der Markt für seine Schallplatten weisen in verschiedene Richtungen. Das Potential zur Mobilisierung seiner Fans mag für den Dinosaurier noch groß und einträglich sein . Es ist allerdings oft nicht mehr das, was es vor Jahrzehnten war. Dazu kommt, dass die alten Fans, die in das Stadion gehen, nicht immer die sind, die auch Schallplatten kaufen. Das neu aufkommende Interesse für Vinyl wird von mehr oder weniger hippen, eher gebildeten und musikbegeisterten jungen Leuten um die 30 getragen – neben Dinosauriern haben sie ganz andere musikalische Interessen, die den Markt stärker prägen. Bestimmte Gruppen haben sich auch als Dinosaurier am neuen Vinylmarkt behaupten können. Die Beatles und Stones und Led Zeppelin und die Sex Pistols sind nach wie vor im Plattengeschäft präsent. Zwar ist das Angebot ihrer Schallplatten riesig, doch  die Nachfrage ist ungebrochen – generationenübergreifen. Andere Gruppen und Stars aus den 60ern und 70ern sind völlig aus dem Focus der Plattenkunden von heute geraten.

Und Elvis? – Nun ja, Elvis hat auf dem Markt für gebrauchte Schallplatten leide keine guten Karten. Seine Schallplatten wurden millionenfach verkauft – und zwar vor allen Dingen in den 70ern. Viele seiner am besten verkauften Schallplatten sind musikalisch eher „sanft“ und für ist für Vinylkunden von heute enttäuschend. Und die alten, wilden Nummern? Ja, die wollen viele noch mal hören, aber auch sie sind nicht selten, selbst wenn sie alt sind. Fast 90% der wirklich alten Schallplatten sind in erbärmlichem Zustand. Elvis war ein Teenie Star, und viele Teenies behandelten die Singles und Alben keinesfalls wie Sammlerstücke. Und die Sun Singles? Selbst die sind nicht wirklich selten - allerdings teuer, wenn es denn wirklich die echten sind.

Was sind denn nun seltene und teure Elvis Platten? Nur ein Beispiel: Es gibt eine Hör Zu Pressung mit dem Hör Zu Logo als Block auf dem Label. Sie ist in perfekter Erhaltung ein schönes Abendessen für zwei Personen wert. Ich sehe sie ab und zu, allerdings ist sie immer zerkratzt. In den letzten 5 Jahren habe ich eine einzige wirklich gut erhaltene Platte ankaufen können. Eine andere teure Schallplatte ist seine erste LP, sie zeigt ihn wild mit Gitarre. Es gibt sehr viele Pressungen davon, aber die allererste Pressung mit schwarzem Label ist gesucht – wenn sie perfekt erhalten ist. Auch hier rechtfertigt nur die ungewöhnlich gute Erhaltung einen hohen Preis. Vor 10 Jahren hatte ich sie mal in einem für Sammler ansprechenden Zustand. Und natürlich gibt es unzählige Details, die Elvis, den Elvis-Sammler in Entzücken versetzen, und die nur er uns seinesgleichen kennen. Ich gönne ihm seine Funde!

Ganz grob: Über 95 Prozent alles Elvis Platten sind wertlos, das heißt, der Händler freut sich wenn er sie für 2 Euro verkauft – wenn er sich die Mühe machen möchte sie anzubieten. 4,5% der Elvis Platten warten tapfer für Preise zwischen 5 und 10 Euro auf Kunden – sind allerdings alles andere als Bestseller. Kein Händler wird mehr als zwei oder drei Euro bezahlen – wenn überhaupt, und nur wenn sie nicht auf Lager sind – was selten vorkommt. Und höchstens 0,5% Aller Elvis Platten erfreuen harte Sammler wie Elvis – und nur sie und ein paar auf ihren Wahnsinn spezialisierte Händler kennen die Details – und dann sind sie noch lange nicht teuer. Schallplatten, die mehr als ein Abendessen finanzieren können, sind irre selten! Nicht jeder will Typen wie Elvis in seinem Laden haben – deshalb bleiben er und seine Schallplatten gerne ganz draußen.

Ganz klar, Ihre Elvis-Platten sind genau die teuren. Sie haben im Internet geschaut. Der Großvater wusste schon was er hat. Ich will Ihnen das glauben. „Können Sie mir nicht einfach die Nummer von Elvis geben?“ Ein Blick auf die Schallplatten reicht in der Regel für meine Antwort: „Tut mir leid – sicher finden Sie jemanden, der die Platten besser einschätzen kann als ich.“ Bitte vertrauen Sie meiner Diplomatischen Antwort! Machen Sie sich auf die Suche nach Elvis, dem Spezialisten. Er wird Ihnen weiterhelfen können! Verdammt, wenn ich doch nur seine Nummer finden würde!

Meine Ankaufseite (Alles ausser Elvis ...)
Schallplatten Ankauf - Lieblingsplatten Berlin

Freitag, 22. Juni 2012

Freitag, 2. März 2012

Montag, 27. Februar 2012

Neue Platten: Traditional Folk und Country

Heute neu:
Traditional Country/Folk/Bluegrass/Fiddle
(Rounder, Flying Fish, Topic, Folkways ...)


(Besucht auch meine Seite: www.lieblingsplatten-berlin.de)








Freitag, 17. Februar 2012

Neu! Offen!

Frumpy im Aquarium


Du willst mal gucken kommen?


Das ist ab sofort möglich.
Jeden Freitag und Samstag ab 14 Uhr
bis 16 Uhr oder auch etwas länger.
Paul Robeson Str.


näheres unter:
kontakt@lieblingsplatten-berlin.de


Samstag, 4. Februar 2012

Mittwoch, 25. Januar 2012

Über Sammler und Zustände









Liebe Sammler


Heute möchte ich mal ein ernstes Wort mit Dir wechseln. Es geht um Deine Abneigung gegenüber Schallplatten mit Gebrauchspuren. Immer wieder muss ich zusehen wie Du Platten begutachtest. Du ziehst sie aus der Kiste, siehst Dir die Vorderseite an, dann die Rückseite, dann die Kanten an denen Du mit dem Finger entlangfährst, dann siehst Du nach ob die Original Innenhülle dabei ist und ob sich ein Poster weiter hinten versteckt. Und Du suchst nach Kratzern, hältst dafür die Platte so dass das Licht den günstigsten Einfallswinkel hat. Und dann, zu guter letzt, suchst Du nach Dellen, indem Du sie entweder scharf von der Seite ansiehst oder sonderbar balancierst. Oder, wenn Du etwas mehr Erfahrung hast, indem Du das Label drückst und auf ein "Plop" achtest - und dann, wenn Du mit allem fertig bist, liest Du die Informationen auf der Rückseite und beginnst von Vorne.


Lieber Sammler, ich verstehe Dich. Ich mache es genauso - bei Amiga Schlagersingles. Die will ich nämlich nicht hören - und kann es manchmal auch gar nicht, denn sie sind schlecht. Ich sammele sie so wie Briefmarken: Kein Zahn darf fehlen. Natürlich kannst Du sammeln was und wie Du willst, und meinetwegen kannst Du sogar Schallplatten so sammeln als seien es Briefmarken. Du wirst vielleicht sagen: Ich liebe die Musik, und eine gut erhaltene Schallplatte klingt besser als eine schlecht erhaltene. Ich versichere Dir: Das ist Quark. Was guter und was schlechter Klang ist das ist gar nicht so leicht zu sagen. Ich weiss aber, dass wirklich harte Sammler kaum Musik hören. Musik zu hören ist ihnen eine Last. Sie haben stets mehr Platten als sie hören können, und sie kaufen mehr als sie hören können. Die Platten drängen und fordern etwas, das der Sammler nicht einlösen kann - sie mehren das schlechte Gewissen und jeder Kauf der es beruhigen und mit dem der Käufer sich seiner Liebe zur Musik vergewissern will lässt es doch nur weiter wachsen. Der Plattensammler kauft, um seine Ruhe zu haben - und nicht um die Platten zu hören. Wer häufig auf Börsen ist kennt die steinerne Stille, die über den in Kisten grabbelnden Fingern liegt - und nichts ist schlechter für das Geschäft als jemanden in dieser Situation anzusprechen oder gar eine Empfehlung auszusprechen. Die Neigung zur fehlerfreien Platte ist ein Indiz für das ambivalente Verhältnis des Sammlers zur Musik, das aus den Fugen geraten ist.


Deshalb habe ich beschlossen nur noch Platten zu sammeln, die kein Sammler mehr haben will - und die dennoch wirklich gut sind. Meine These: Eine Platte ist gut, weil sie nicht nur Musik speichern kann, sondern auch Geschichten. Eine CD kann das nicht. Sie kann zwar Musik speichern, aber keine Geschichten. Wenn eine CD altert und Gebrauchspuren zeigt, wirkt sie schäbig. Wenn eine Platte Gebrauchspuren hat, zeigt sie Würde. Manchmal weiss ich, was die Platte schon so alles erlebt hat - wenn mir jemand davon erzählt wie wichtig sie im Leben war. Nur ein paar Andeutungen vielleicht, der Verkäufer will mir nicht mit seinem Kram zur Last fallen - aber ich merke: Da ist was. Die Kanten, die Du, lieber Sammler, so sorgfältig mit dem Finger abfährst, zeigen vielleicht genau die Spuren, die verraten, wie wichtig dem ehemaligen Besitzer die Platte war. Und Du stellst die Platte weg, wenn die Spuren zu stark sind - dabei sind dies genau die Spuren, die Vinyl-Schallplatten leben lassen - und CDs sterben. Ich vermute mit diesen Spuren geht es Dir wie mit der Musik: Du magst sie, aber sie werden Dir zu viel, sie sind Dir eine Last. Du suchst nach Ihnen, um Dich von ihnen zu distanzieren. Auch hier ist das ambivalente Verhältnis zu dem, was Schallplatten lebendig macht, aus den Fugen gelaufen.


Platten aus dem Osten haben besonders empfindliche Kanten, die Pappe der Cover war schlecht. Neulich fand ich diese Platte hier. Von der Gruppe "IRAKERE" - eine Cubanische Kapelle die Prima Tanzmusik spielt. Sie ist auf dem Label "Areito" erschienen - ein Sammlerlabel für Freunde Lateinamerikanischer Musik. Diese Platte hier hätte sogar einen gewissen Sammlerwert - nicht sehr hoch, aber 15 bis 20 Euro sind sicher angemessen. Dieses Exemplar hier scheint mir aus Cuba zu kommen. Auf der Rückseite ist eine Widmung des Trompeters Jaunito Munguia für einen Trompeter in Deutschland. Ein Geschenk - vermute ich. Und eine geliebte Platte, wie leicht zu sehen ist. Damit die Kanten keinen Schaden nehmen sind sie großzügig mit einem fetten und ziemlich hässlichen Klebeband geschützt. Der Trompeter Juanito hat oben noch eine Trompete auf das Cover gemalt - und hinten auf der Platte hat der ordentliche deutsche Trompeter ein paar Zahlen geschrieben - vermutlich die Daten, zu denen er die Platte gehört hat. auf das Klebeband ist hinten noch ein Stück anderes Klebeband geklebt worden, darauf eine Zahl, eine Registernummer, denn früher wurden in Deutschland neu angeschaffte Platten in ein Register eingetragen - erst dann waren sie im Plattenschrank willkommen. Die Innenhülle fehlt, die Platte ist mit Kratzern übersät.


Du wirst vielleicht sagen: OK, wenn der Trompeter unterschrieben hat, dann geht das in Ordnung. Vergiss es, ich kenne Dich! Du bringst es fertig und kaufst die Platte ohne Signatur, wenn Du die Wahl hast. Und wenn nun statt dem Trompeter der Freund der Freundin die Platte aus dem Urlaub mitgebracht hat und noch viel wildere Dinge mit ihr passiert sind als die die der Trompeter in Deutschland mit ihr angestellt hat? - ich vermute davon willst Du nichts wissen - oder doch? Nein, Du kannst die Platte eh nicht hören, zu viele andere warten noch. Perfektion ist Arbeit - und die Arbeit an dem was in den Rillen an Musik geborgen ist kann ein Leben füllen - also nix für Weicheier!


Warum sollte ich also mit diesem abgegriffenen verdreckten verklebten und zuletzt doch nur spießig registrierten Rest eines einst geliebten Gegenstandes abgeben? Ganz einfach, ich will die volle Breitseite! Ich will Platten anfassen die ein Leben haben - was kann wertvoller sein! Ich lege sie auf - ein Prasseln kommt mir entgegen. Und schon weniger Sekunden später treibt mich der Funky Fuzz davon und läßt mich strahlen. "Trumpets" rufe ich und schaute mir das Bildchen von Juanito auf dem Cover an. Genau so geht tanzen! Scheiss auf Briefmarken!


Musik? listen here (Irakere - Bacalao con Pan)

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Dienstag, 24. Januar 2012

Neuzugänge: Jazz

Heute Neu: Jazz aus dem 21. Stockwerk
300 gute Platten, Dutzende Knaller!
Nein, das sind keine Nachpressungen.


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Dienstag, 3. Januar 2012

Heute Neu: Jazz

kleine feine Sammlung Jazz
Wirklich schöne Platten, geliebt und nicht mehr ganz frisch, aber noch immer gut.
über 120 Stück.






Montag, 19. Dezember 2011

25 vielversprechende Arten den Kunden eines Plattenladens zur Weißglut zu bringen ...







... erprobt und notiert von Joachim Wendel.


(1) Ignorieren Sie einen Kunden den Sie nicht kennen immer! Selbst wenn dieser freundlich einen Guten Tag wünscht schauen Sie ihm nicht ins Gesicht. Jeder Blick, der keinen Kampf zwischen Kunde und Händler einleitet, ist verschenkt und damit sinnlos.

(2) Legen Sie die spannenden Neuzugänge auf die Plattenkisten. Sobald ein Kunde daran Interesse zeigt nehmen Sie die Schallplatten weg. Wenn der Kunde nach Preisen fragt glänzen Sie mit Unwissenheit und geben grundsätzlich Antworten die jede weitere Frage des Kunden als Zumutung erscheinen lassen würde.

(3) Wenn der Plattenspieler, an dem Kunden in die Schallplatten reinhören können, defekt ist, reparieren Sie ihn nicht. Der Kunde soll den Eindruck bekommen, dass Ihnen dieser Umstand gelegen kommt. Oder seien Sie konsequent: schaffen Sie diesen Plattenspieler einfach ab und verweisen Sie auf Anfrage eben auf die sich häufenden Defekte.

(4) Doppelalben in Grabbelkisten kosten immer das Doppelte eines normalen Albums. Wenn sich ein Kunde beschwert, dann nehmen Sie ihm die Platten aus der Hand und schmeißen ihn aus dem Laden.

(5) Schmeißen Sie alle Kunden aus dem Laden von denen Sie annehmen dass sie nichts kaufen werden. Sorgen Sie dafür dass Ihr so begründeter Ruf alle potentiellen Stammkunden in der Sammlerszene erreich.

(6) Wenn ein Kunde um eine allgemeine Empfehlung bittet finden Sie in Ihrem Sortiment nichts, was Ihre persönliche Empfehlung verdienen würde. Zeigen Sie außerdem keine Bereitschaft das Gespräch mit den im Laden abhängenden „Nerds“ länger als zehn Sekunden zu unterbrechen.

(7) Lassen Sie nicht mit sich Handeln. Wenn ein Kunde für 124 Euro Schallplatten findet dann kosten diese Platten 124 Euro. Kassieren Sie nach dem Kauf die Schutzhüllen kommentarlos ein.

(8) Zeichnen Sie Ihre Schallplatten mit Preisschildern aus, die hässlich sind und nicht ohne Beschädigung des Covers entfernt werden können. Die Schutzhüllen sehen natürlich aus als hätten Sie versucht damit den Boden zu wischen.

(9) Raritäten hängen an der Wand – und bleiben auch dort! 

(10) Um Standardware bemühen Sie sich nicht, da die Fächer mit Platten übervoll sind, die sich nur mit Glück verkaufen lassen. Ohnehin kaufen Sie kaum an – Sie haben ja genug Schallplatten die Sie verkaufen müssen.

(11) In Grabbelkisten dürfen Sie selbstverständlich auch Schallplatten stellen, die so schlecht und schäbig sind, dass die Beschäftigung mit ihnen für den Kunden zu einem Kampf mit dem Brechreiz wird. Hängen Sie einfach ein Schild auf: „Bitte nicht in die Kisten kotzen“

(12) Verkaufen Sie Ihre Plattenwaschmaschine – Sie sind Händler, kein Tellerwäscher. Oder verlangen Sie 2 Euro Aufpreis, wenn ein Kunde eine Platte aus Ihrem Sortiment vor dem Kauf gewaschen haben will.

(13) Das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Kunden ist auf Feindschaft ausgelegt. Der Kunde will Sie bescheißen – und Sie wollen den Kunden bescheißen. Der Kunde will alles besser wissen – und Sie wissen alles besser. Der Kunde hat keine Ahnung – und sie verachten ihn für seinen Hochmut. Zeigen Sie dem Kunden deshalb, was Sie wirklich von ihm wollen: Nämlich dass er geht nicht mehr wiederkommt.

(14) Die natürliche Heimat der Schallplatte ist der Brotkorb - gewöhnen Sie Ihre Kunden daran. Um dem Kunden zu zeigen wie viele Schallplatten Sie haben sind Ihre Kisten stets brechend voll. Normales durchblättern ist bei Ihnen auch gar nicht erwünscht. Wer die ersten 15 Platten der Kiste herausnimmt um sich die restlichen 125 anzusehen erntet einen Blick der unmissverständlich klarmacht, wer hier über welche Sünden richtet.

(15) Hören Sie in Ihrem Laden Radio. Oder checken Sie die Neuzugänge durch, indem sie die Nadel von Lied zu Lied heben – natürlich ohne Kopfhörer, und so, dass alle Kunden Ihre Arbeit verfolgen können.

(16) Sie nehmen keine Schallplatten zurück!

(17) Sie öffnen erst um 15 Uhr – frühestens – mit Verspätung. Samstags haben Sie geschlossen.

(18) Verkaufen Sie alle teuren und gut erhaltenen Platten im Internet.

(19) Schleifen Sie Raritäten – denn wer will schon zerkratze Platten haben! Auf Anfrage sprechen Sie von einem speziellen Verfahren zur Restauration. Welche Schallplatten Sie geschliffen haben wissen Sie nicht – natürlich nicht. Und eigentlich wissen Sie ja auch gar nichts von diesen Praktiken.

(20) Nach 16 Uhr öffnen Sie die erste Flasche Bier und prosten den „Nerds“ zu die seit 14 Uhr darauf warten dass Sie mit Ihnen saufen.

(21) Seien Sie teuer! Bei Preisrecherchen orientieren Sie sich immer an den Preisen der angebotenen Platten – nicht an den tatsächlich gezahlten Preisen. Bei Raritäten sehen Sie bei popsike nach – und orientieren sich an den Spitzenergebnissen für absolute MINT-Ware. Wenn Sie keinen Preis ermitteln können und die Platte nicht kennen dann kostet sie je nach Cover zwischen 20 und 149 Euro. Horten Sie Schrott! – denn Platten die nichts kosten erwirtschaften im Verkauf den besten Gewinn! 

(22) Orientieren Sie sich in Ihrem Angebot am Massengeschmack – schliesslich leben Sie von Touristen. Verkaufsklassiker lassen sich leicht durch illegale Nachpressungen mit scheußlichem Klang und einem Cover, dass einer billigen Farbkopie gleicht, bevorraten. Ungewöhnliche Platten stehen bei Ihnen in Brotkörben unter den Tischen auf dem Boden.

(23) Kaffee gibt es bei Ihnen nur für Nerds – und deswegen stehen auch überall benutzte Tassen herum. 

(24) Bleiben Sie Ihrem persönlichen Musikgeschmack treu. Sie verkaufen nur klassischen Rock der siebziger Jahre, eventuell etwas Fusion Jazz und Beat und Soul – von dem, was danach kommt, haben Sie keine Ahnung. Mit dem Punk ging die gute alte Zeit zu Ende – und seitdem haben Sie keine gute Musik mehr gehört. Für Sie ist Techno der frühen 90er das neuste was die Musikentwicklung der letzten 30 Jahre hervorgebracht hat. Lassen Sie Ihre Kunden spüren wo Ihre musikalischen Vorlieben liegen.

(25) Lachen Sie über die Kunden, die soeben den Laden verlassen haben.